Applaus, Applaus für deine Worte

Wer heutzutage als Zeichen des Protestes einen Redner mit Applaus und Jubel angreift, der verhält sich zutiefst antidemokratisch. Denn die Rede- und Meinungsfreiheit gilt nur für die Person auf der Bühne oder am Rednerpult. Wenn also ein AfD-Politiker zum Thema „Die 4. Gewalt – Die Macht der Medien“ von einer Gruppe junger Studenten übertönt wird, kann von friedlichem Protest und Meinungsäußerung keine Rede sein, denn die übertriebene Lautstärke kann zu Verletzungen im Ohrenbereich führen.
Wenn es im Vorfeld der Veranstaltung heißt, man sei an einem demokratischen Dialog interessiert, verwundert die Haltung der Universität und der Veranstalter um so mehr, denn anscheinend ist man mehr an den Ausführungen derer interessiert, die sich seit jeher wenig an einen demokratischen Dialog interessiert zeigten. Jetzt den Protestanten vorzuwerfen, sie hätten den demokratischen Dialog gestört bzw. unmöglich gemacht, ist nur sofern richtig, in dem man ihre Stimme und Meinung gar nicht erst in Betracht zog. Pauschal ist von „Extremismus“ die Rede: Von Rechtsextremismus bei dem AfD-Landesverband Thüringen, dessen Fraktionsvorsitzender kürzlich das Holocaustdenkmal in Berlin als „Schande“ bezeichnet hatte, UND Linksextremismus auf seiten der Applaudierenden und Jubelnden. Dabei handelte es sich um einen friedlichen Protest, der ganz ohne Farbbeutel auskam, wie es zum Beispiel bei Pazifisten auf Parteitagen der Grünen üblich ist. Und wie wir alle wissen, ist Protest zu sagen, das und das paßt mir nicht. Genau das haben die Protestanten unmißverständlich klargemacht: Daß die AfD an einer Diskussion über Medien teilnimmt, die sie selbst bei ihren Parteitagen ausschließt, und ständig der Lüge bezichtigt. Diese Haltung wurde mit Hilfe eines demokratischen, wenn auch infantilen, Protests kundgetan.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *