Fake-News zur Bundestagswahl? Studie von Prof. Dr. Ralf Hohlfeld

Deutsche glauben, Fake News beeinflussen andere Nutzer bei der Wahl zum Bundestag – Studie der Universität Passau untersucht Wahrnehmung und Wirkung von Falschmeldungen.

Fake News, die den Menschen durch wiederholte Rezeption bekannt und vertraut sind, werden als glaubwürdiger eingeschätzt als bislang unbekannte Nachrichten. Eine Forschergruppe, bestehend aus MuK-Masterstudenten und Prof. Dr. Ralf Hohlfeld konnte einen Zusammenhang zwischen Vertrautheit und Glaubwürdigkeit nicht nur für Einzelfälle nachweisen, sondern mithilfe eines Online-Experiments einen statistischen Zusammenhang für eine Vielzahl bekannter Falschmeldungen belegen, die seit Beginn der Flüchtlingskrise die politische Kommunikation in Deutschland mitgeprägt haben. Mit zunehmender Bekanntheit einer Falschmeldung steigt auch der Glaube daran, dass die Nachricht der Wahrheit entspricht. Die Psychologie spricht hier vom „Wahrheitseffekt“ oder „Mere-Exposure Effect“.

Oft wird in der Forschung dieser Umstand dafür verantwortlich gemacht, dass es nicht ausreiche, mit Korrekturinitiativen und dem sogenannten Debunking (Entzaubern von Fake News) dem Problem zu Leibe zu rücken, auch weil das Kenntlichmachen von Fake News eine geringere Verbreitung erfährt als die Fake News selbst.

„Was erst einmal in der Welt ist, bleibt offenbar auch langfristig und robust dort.“
– Studienleiter Prof. Dr. Ralf Hohlfeld.

Den 1.021 Befragten* wurden von dem Forscherteam am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft per Zufallsauswahl jeweils sechs wahre Nachrichten und sechs Fake News vorgelegt. Die Untersuchungsteilnehmer mussten in einem ersten Schritt beantworten, ob ihnen die Nachricht vertraut ist und in einem zweiten Schritt angeben, ob die Nachricht ihrer Meinung nach glaubwürdig ist. Ferner sollten die Teilnehmer zu jeder Nachricht mitteilen, ob sie glauben von dieser beeinflusst zu werden und ob andere Menschen davon beeinflusst werden könnten. Zuletzt wurde untersucht, ob die Probanden Fake News liken oder mit einem kritischen Kommentar teilen.

Zwar wurde von den Befragten knapp die Mehrheit der Fake News als solche erkannt, doch überwog in Einzelfällen die Täuschungswirkung: Die vor allem im Umfeld der AfD intensiv geteilte Falschmeldung, wonach die Grünen-Politikerin Renate Künast zum Mord an einer Studentin in Freiburg gesagt habe: „Der traumatisierte junge Flüchtling hat zwar getötet, man muss ihm aber jetzt trotzdem helfe“, hielten 35 Prozent für glaubwürdig, nur jeder Vierte zweifelte die Falschmeldung, die seit ihrem Aufkommen im Dezember 2016 vielfach richtig gestellt wurde, an. „Das Ergebnis spricht dafür, dass die Wirkung von Fake News, die einen wahren Nachrichtenkern nutzen und diesen umdeuten und manipulativ abwandeln, größer ist als bei gänzlich frei erfundenen Meldungen“, sagt Hohlfeld. Zudem habe man mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl auch den sogenannten Third-Person-Effekt nachweisen können. Während nur eine Minderheit der Teilnehmer glaube, in der politischen Meinungsbildung von Fake News selbst beeinflusst zu werden, nehme die Mehrheit an, dass die Gesamtbevölkerung von gezielter Desinformation manipulierbar sei. „Dieser Befund unterstreicht, dass es eine ernstzunehmende Sorge der Bevölkerung gibt, Fake News könnten die Wahl am 24. September in irgendeiner Weise beeinflussen“, so der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Ralf Hohlfeld. Optimistisch stimme aber der Befund, dass nur eine verschwindet geringe Zahl der Befragten die untersuchten Falschmeldungen bei Facebook und Co. in positiver Absicht teilen oder liken würde. Umgekehrt seien aber immerhin zehn Prozent der Probanden bereit, die als solche erkannten Fake News, die meist von scheinbar straffälligen Flüchtlingen handelten, mit kritischen Kommentaren zu versehen und weiterzuleiten.

 

Die Studie ist Online einsehbar.

 

*Die Studie ist als selbst rekrutierende Onlinebefragung und Experiment nicht bevölkerungsrepräsentativ. Sie ist mit Blick auf die Grundgesamtheit hinsichtlich der Merkmale Alter, Bildung und regionale Herkunft dergestalt verzerrt, dass formal höher Gebildete, Menschen zwischen 20 und 39 Jahren und Menschen, die in Bayern leben, überdurchschnittlich vertreten sind.

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