Ratschläge für einen guten Satiriker

Die Satire ist die wohl höchste Kunstform des Journalismus. Täglich sieht man tausende Menschen an ihr scheitern. Dabei könnte alles so leicht sein, wenn man nur folgende Ratschläge befolgt:

Das Allerwichtigste ist, die Satire als solche im Text kenntlich zu machen. Ein Banner mit den Worten «Achtung Satire» leistet dem schon Abhilfe. Andernfalls läuft der Rezipient Gefahr, die Satire nicht zu erkennen und ist folglich vom Inhalt irritiert und weiß womöglich gar nicht, wann und wo er lachen muß beziehungsweise läßt kein Lachen zu.

Doch über welche Themen lacht denn der Rezipient?  Diese Frage bringt uns bereits zum zweiten Ratschlag, der viel wichtiger ist, als ersterer. Meinungsinstitute geben sehr viel Geld aus, um Statistiken anzufertigen, die nicht nur für Politik und Wirtschaft von großem Interesse sind, sondern auch für den Satiriker. Ein Blick auf die Statisik genügt um zu wissen, was bei der Mehrheit gut ankommt. Man merke sich: Der Satiriker ist der Sklave des Publikums. Das Publikum fordert, der Satiriker gibt die geforderten Themen, satirisch und humoristisch gewürzt, zurück. Ein sehr guter Satiriker kann zudem die vorgefertigte Meinung des Publikums bestätigen und läßt den Rezipienten seine eigene Intelligenz beklatschen.

Zugleich, damit kommen wir wohl zum wichtigsten Ratschlag, darf man vom Publikum nicht zu viel erwarten. Wer hat denn heutzutage alle Ministernamen parat, oder kennt die deutschen Bundeskanzler? Ein guter Satiriker geht auch auf die dümmsten Rezipienten wohlwollend zu, erklärt zur Not wer Heinrich Lübke war oder erklärt die historischen Zusammenhänge, die für das Verständnis eines Witzes notwendig sind. Wenn dies jedoch aufwendige oder gar komplizierte Züge annimmt und man sich plötzlich dabei ertappt, daß man das Publikum über die Anfänge der Menschheit aufklärt, läßt man den Witz lieber bleiben, denn er ist vermutlich nicht gut genug ausgebaut. Ein sehr guter Satiriker weiß: Im Zweifel war der Witz zu schlecht, aber nie das Publikum zu dumm!

Von allergrößter Wichtigkeit ist jedoch, daß man als guter Satiriker immer auf Seiten des Stärken zu stehen hat. Er sägt nicht auf dem Ast, auf dem er gerade sitzt, die Fallhöhe ist dort viel zu hoch. Konfrontation mit einflußreichen Personen oder Prominenten sollte unter jeglichen Umständen vermieden werden, schließlich verspielt man sich damit die Möglichkeit, selbst einmal Teil dieser Gesellschaftsgruppe zu werden. Außerdem sind Leute, die unter einem stehen, ein leichteres Opfer, die dem Satiriker die Arbeit nur erleichtern.

Wer es jedoch noch leichter haben will, und alle guten Satiriker wollen das, beleidigt Minderheiten auf übelste Weise, ja fast volksverhetzend und rechtfertigt sich später mit den Worten: «Ach, das war ja bloß Satire!» Somit tritt man gleichzeitig für die Meinungs- und Kunstfreiheit in diesem Lande ein und tut durch etwas Gutes.

Wer sich an diese Ratschläge hält, hat ausgezeichnete Chancen sich als Satiriker einen Namen zu machen und die nächste Staatskrise auszulösen.

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