Raus aus dem eigenen Film
von CampusCrew Redaktion am 25.02.2026
Woody Allen ist in der Filmwelt ein bekannter Name. Sein Film „The Purple Rose of Cairo“ ist auch als Bühnenfassung im Stadttheater Passau zu erleben – zum letzten Mal am 15. Februar 2026.
Von Lina Jans und Anna Fleckenstein
In seinem eigenen Film oder auch „delulu“ sein, wer kennt es nicht. „The Purple Rose of Cairo“ bringt dieses Gefühl im Stadttheater Passau auf besondere Art und Weise auf die Bühne. Das Theaterstück als Neuinszenierung des Films von Woody Allen verknüpft die beiden Medien Film und Theater – sowohl in der Handlung als auch im Bühnenbild.
Anstelle einer trockenen Inhaltsbeschreibung möchten wir uns in die Welt der Figuren hineinversetzen, denn ihre Handlungen sind in Wirklichkeit nicht umsetzbar, ihre Gefühle und Motivationen dahinter aber sehr greifbar: Stellt euch vor, ihr sitzt im Kino und seid völlig immersiert in den Film (d.h. ihr habt das Gefühl, selbst Teil des Films zu sein). Plötzlich drehen sich die Rollen: Die Figuren zerreißen die Leinwand und treten durch diese hindurch in die reale Welt. So ergeht es Cecilia, der Hauptfigur, einer verträumten jungen Kellnerin im Amerika der 1930er-Jahre. Während ihr Mann sich im Glücksspiel und der Trinkerei verliert, dabei auch gewalttätig ist, flüchtet sich Cecilia in die Welt des Kinos. Immer wieder den gleichen Film besuchend (Comfort Binge-Watching) – auch aus Schwärmerei für die scheinbare „Nebenrolle“ Tom Baxter – wird sie völlig überrascht, als Tom aus der Leinwand in den Kinosaal steigt und sein Interesse an Cecilias Filmbegeisterung und ihrer Person bekundet. Nicht nur sie trifft der Schock. Auch die Figuren des Films drücken für den Rest der Handlung ihren Unmut über Tom Baxters Ausbruch aus.
Die Furore, die mit den Abweichungen des Films einhergehen, erzürnen auch Regisseure und Schauspieler, weshalb sich Gil Shephard, der Darsteller des Charakters Tom, auf den Weg macht, seine Figur wieder einzufangen und seine Karriere zu retten.
Die Vielschichtigkeit des Theaterstücks wird durch mehrere Ebenen auf der Bühne widergespiegelt. Die Liebesgeschichte von Tom und Cecilia wird durch die Langeweile der Filmfiguren, die ohne Toms Rolle nicht ihren Part spielen können, unterbrochen. Neben der dadurch gewonnenen Komik hilft der Wechsel der Ebenen auf der Bühne zwischen der Kino- und Theaterebene zu unterscheiden.
Gleichzeitig fordern diese Ebenen eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung. Benedikt Schulz spielt Tom und Gil in mehreren Szenen gleichzeitig. Entweder zieht er sich dafür schnell um oder spricht den Text seiner Figur, während sein Double mit dem Rücken zum Publikum auf der Bühne steht. Auch der Miteinbezug des Publikums und die Fähigkeiten der anderen Darstellenden machen das Stück lebendig.
Gerade die Figur der Cecilia macht die Inszenierung so emotional verständlich, denn sie verliebt sich in einen nicht realen Mann. „Er ist nur Fiktion, aber man kann ja nicht alles haben“, sagt sie und spricht damit RomCom-Fans und Menschen mit heimlichen Schwärmereien aus der Seele.
Obwohl es wohl nie passieren wird, dass ein Charakter aus seiner fiktionalen Welt ausbricht, bilden gerade Theaterstücke die Realität ab und geben die Möglichkeit, uns darin zu verlieren. Wie die Figuren sind auch wir manchmal in unserem eigenen Film gefangen. „The Purple Rose of Cairo“ ist eine kleine Erinnerung aus den gewohnten Denkweisen und Handlungsmustern auszubrechen – aus der Leinwand zu steigen.
