Xabi Alonso bei Real Madrid entlassen – Überraschung oder logischer Schritt?
von CampusCrew Redaktion am 13.01.2026
Als Xabi Alonso bei Real Madrid vorgestellt wurde, war die Aufbruchsstimmung groß. Ein ehemaliger Weltklassespieler kehrte zurück, diesmal als Trainer, ausgestattet mit dem Ruf eines modernen Fußballlehrers. Seine Arbeit bei Bayer Leverkusen hatte europaweit für Aufmerksamkeit gesorgt.
Jonas Weidemann
In Madrid wurde er nicht nur als Trainer, sondern auch als Symbol gesehen. Für Erneuerung, für einen strukturierten Ansatz, für eine neue Generation an der Seitenlinie. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Real Madrid ist kein Klub, der Übergangsphasen duldet. Wer hier übernimmt, muss liefern. Schnell, konstant und auf höchstem Niveau.
Schon früh wurde klar, dass Alonsos Aufgabe weit über taktische Fragen hinausgehen würde. Er musste nicht nur Spiele gewinnen, sondern ein komplexes Gefüge aus Stars und Erwartungshaltung moderieren.
Eine klare Idee trifft auf einen besonderen Klub
Alonso steht für einen Fußball, der auf Kontrolle basiert. Seine Mannschaften sollen den Ball oder den Gegner dominieren. Ob mit Ball oder ohne spielte dabei keine übergeordnete Rolle. Dem Ergebnis wurde alles untergeordnet und aus einer Mannschaft, die den Ballbesitz dominierte, konnte in wenigen Augenblicken eine Mannschaft werden, die sich fallen ließ und den Schein erweckte, dass der Gegner Kontrolle gewinnen würde. In Leverkusen funktionierte dieser Ansatz, weil die Spieler bereit waren, sich der Idee unterzuordnen und Verantwortung im Kollektiv zu übernehmen.
Real Madrid funktioniert traditionell anders. Der Klub lebt von Individualisten, von Spielern, die den Unterschied machen können, ohne dass ein komplexes System greifen muss. Kreative Freiheit besitzt hier einen hohen Stellenwert. Alonsos Versuch, klare Abläufe zu etablieren, stieß deshalb nicht bei allen auf Zustimmung.
Wenn Anpassungen ausbleiben
Zu Beginn der Amtszeit war die Bereitschaft vorhanden, Alonsos Ideen mitzutragen. Die Abläufe wirkten einstudiert, der Spielaufbau kontrolliert. Doch mit zunehmender Dauer stellten sich die Gegner besser auf Real Madrid ein. Pressingfallen, zugestellte Passwege und konsequente Raumverknappung nahmen dem Spiel an Tempo und Überraschung.
Alonso hielt lange an seinem Konzept fest. In Phasen, in denen Flexibilität gefragt gewesen wäre, wirkte die Mannschaft zu vorhersehbar. Anpassungen kamen spät oder blieben punktuell. Gerade in der spanischen Liga, in der viele Teams taktisch diszipliniert agieren, wurde das schnell zum Problem.
In Madrid wird taktische Beharrlichkeit nicht als langfristige Überzeugung gelesen, sondern als Risiko. Jeder Punktverlust verstärkt die öffentliche Diskussion. Der Druck wuchs von Spiel zu Spiel. Was als klarer Plan begonnen hatte, wurde zunehmend als fehlende Reaktion Alonsos interpretiert.
Schwierige Rollen in der Kabine
Neben den sportlichen Aspekten spielte auch die Dynamik innerhalb der Mannschaft eine Rolle. In Real Madrids Kabine existieren gewachsene Hierarchien. Verdiente Spieler besitzen Einfluss, Entscheidungen werden genau beobachtet und bewertet.
Alonso, trotz seiner Vergangenheit im Verein, gelang es nicht, diese Strukturen nachhaltig zu verändern. Rollenverteilungen und Einsatzzeiten sorgten intern für Diskussionen. Wo andere Trainer auf Autorität oder Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen zurückgreifen, setzte Alonso eher auf Dialog.
Ein Umfeld mit wenig Geduld
Real Madrid misst Trainer nicht an Entwicklung, sondern an Ergebnissen. Titel sind der Maßstab, alles andere ist Beiwerk. Verletzungen, Umbrüche oder taktische Experimente gelten nur bedingt als Erklärung. Die Erwartung lautet, dass die Mannschaft unabhängig von äußeren Umständen funktionieren muss.
Als die Ergebnisse ausblieben, kippte die Stimmung schnell. Die Geduld, die ein Trainer für den Aufbau einer Idee benötigt, ist in Madrid traditionell begrenzt. Alonsos Projekt war auf Zeit und Vertrauen angewiesen. Beides wurde ihm nur kurzfristig gewährt.
Die Trennung war am Ende weniger ein überraschender Schnitt als vielmehr das Ergebnis eines schleichenden Prozesses.
Aus Vizekusen wird Neverlusen
Unter Alonso entwickelte sich Bayer Leverkusen zu einer der taktisch reifsten Mannschaften Europas. Ballbesitz, Variabilität und defensive Stabilität griffen ineinander. Die Mannschaft gewann an Selbstverständnis und Konstanz. Der sportliche Erfolg war die logische Folge dieser Arbeit. In Leverkusen hatte Alonso Zeit, Vertrauen und Rückhalt. In Madrid fehlten genau diese Faktoren. Sein Ansatz blieb derselbe. Die Bedingungen waren andere, weshalb am Ende die Frage bleibt, ob Xabi Alonso an Real Madrid oder Real Madrid an Xabi Alonso gescheitert ist.