„Ehrlich, traurig und laut“ – JBS über sein erstes Album, Zweifel und das Weitermachen
von CampusCrew Redaktion am 08.05.2026
Ein Interview von Jana Schuster
Spätestens seit „Vielleicht Vielleicht“, dem Feature mit MilleniumKid, ist JBS für viele ein vertrauter Name in der deutschen Musiklandschaft geworden. Der Song machte seine Stimme einem breiten Publikum bekannt und brachte ihm erstmals große Aufmerksamkeit. Doch hinter JBS steckt weit mehr als ein einzelner, viraler Erfolg. Über Jahre hinweg hat er sich eine eigene künstlerische Identität aufgebaut und zählt mit über vier Millionen monatlichen Hörer*innen auf Spotify längst zu den festen Größen im deutschsprachigen Pop.
Mit seinem Debütalbum ZWEITAUSENDFÜNF hat JBS ein sehr persönliches Kapitel aufgeschlagen. Im Interview spricht er über Emotionen in seiner Musik, den Umgang mit Druck und warum Hoffnung trotz allem immer eine Rolle spielt.
CampusCrew: Wenn du deine Musik in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das? Und steckt genau das auch im neuen Album?
JBS: Ehrlich, traurig und laut – und auf jeden Fall. Ich würde sogar sagen: so sehr wie noch nie. Es ist das ehrlichste Projekt, das ich bisher gemacht habe. Gleichzeitig ist es aber nicht nur „laut“ – es gibt auch viele ruhigere, melancholische Momente.
CampusCrew: Dein Album heißt „ZWEITAUSENDFÜNF“. Warum gerade dieser Titel?
JBS: Das ist mein Geburtsjahr und deshalb etwas sehr Persönliches. Gleichzeitig greifen die Songs Themen auf, mit denen sich viele Menschen aus meiner Generation identifizieren können. Dadurch können sich viele im Album wiederfinden.
CampusCrew: Deine Songs sind oft melancholisch und emotional. War das eine bewusste Entscheidung – vielleicht auch mit Blick auf Trends?
JBS: Ehrlich gesagt nicht. Das kommt einfach aus mir heraus. Mir fällt es leichter, negative Emotionen in Worte zu fassen, und ich höre selbst viel Musik, die in diese Richtung geht. Trotzdem versuche ich immer, irgendwo einen Funken Hoffnung einzubauen. Selbst wenn ein Song traurig ist, steckt meistens noch etwas Positives darin.
CampusCrew: Gibt es einen Track auf dem Album, den du neuen Hörer*innen besonders empfehlen würdest?
JBS: Das ist schwer, aber wahrscheinlich „Liebeslied“. Der Song bedeutet mir viel, weil er eine lange Geschichte hat. Die Hook habe ich schon vor drei Jahren geschrieben – damals hatte sie noch eine ganz andere Bedeutung. Jetzt hat sie perfekt in eine neue Situation gepasst, und ich habe den Song komplett neu aufgebaut. Genau das macht ihn für mich besonders.
CampusCrew: Gab es beim Entstehungsprozess des Albums Momente, in denen du gezweifelt oder sogar abbrechen wolltest?
JBS: Nicht unbedingt am Album selbst, sondern eher am Konzept drumherum – an der visuellen Umsetzung. Am Anfang war ich da ziemlich verkopft und hatte sehr konkrete Vorstellungen. Dann kam Feedback von außen, dass manches vielleicht zu kompliziert gedacht sei. Das hat mich kurz verunsichert. Aber ich habe daraus gelernt, offener zu sein und nicht alles zu zerdenken – gerade bei einem Projekt, das sich über einen so langen Zeitraum entwickelt.
CampusCrew: Welche Botschaft möchtest du mit deiner Musik vermitteln?
JBS: Vor allem: nicht aufgeben. Egal, was passiert – es gibt immer eine Lösung und es wird wieder besser. Ich habe selbst in den letzten Jahren einiges erlebt, und das ist das wichtigste Learning daraus. Auch wenn sich manche Songs erstmal hoffnungslos anfühlen, geht es im Kern immer darum, weiterzumachen.
CampusCrew: Du hast mit „Vielleicht Vielleicht“ schon große Erfolge erlebt. Wie gehst du mit dem Druck um, daran anknüpfen zu müssen?
JBS: Am Anfang war das echt schwierig. Wenn man einmal so einen Song hat, der richtig durch die Decke geht, entsteht automatisch Druck. Ich habe mich lange davon beeinflussen lassen. Inzwischen sehe ich das entspannter: Nicht jeder Song muss ein Hit sein. Wichtig ist, dass ich hinter dem stehe, was ich mache, und dass die Leute, die es hören, eine Verbindung dazu haben. Alles andere kommt und geht sowieso.
CampusCrew: Du gehst ab dieser Woche auch auf deine zweite Tour. Wie fühlt sich das an?
JBS: Richtig gut, aber auch ein bisschen surreal, weil es schon sehr bald losgeht. Wir sind gerade mitten in den Proben und haben extrem viel vorbereitet – ein neues Bühnenbild, neue Showelemente und viele Songs vom Album. Wir haben aus der letzten Tour viel gelernt und nochmal eine Schippe draufgelegt. Ich habe Respekt davor, aber vor allem richtig Bock.
Zum Abschluss noch eine kleine Schnellfragerunde:
Lieblingssong aktuell? – JBS: „Options“ von Cameron Whitcomb
Text oder Beat zuerst? – JBS: Text
Traumfeature? – JBS: Schmyt
Must-have im Tourbus? – JBS: Ganz viel Skyr, haha.
Mit „ZWEITAUSENDFÜNF“ liefert JBS ein Debütalbum, das zeigt, wie persönlich deutscher Pop klingen kann – ehrlich, emotional und ohne den Blick für Hoffnung zu verlieren.
Bildcredits: Schattenformat