Hab’s geschafft – König der Nachbarschaft! ENNIO auf Haifischbecken Tour
von CampusCrew Redaktion am 05.06.2026
Ennio Frankl (besser bekannt ohne Nachnamen und in Großbuchstaben: ENNIO), gebürtiger Münchner hätte Barkeeper in der Kneipe seiner Eltern werden können- jetzt „reißt“ er Konzerthallen wie das Zenith ab. Dabei steckt er genauso viel Herzblut in seine Live-Auftritte wie er wohl als Kellner die Leute in einer langen Partynacht abgeholt hätte. Warum das richtig und wichtig ist, und welche Hommage er trotz anders eingeschlagener Karrierewege seinen Eltern widmet, durfte ich auf seinem am 30.04. in München stattfindenden Konzert seiner dem Ende zuneigenden Haifischbecken Tour 2026 erleben. In diesem Sommer spielt er noch die letzten Konzerte dieser Tour und ein paar Zusatzshows auf Festivals.
Von Lina Jans
Übers Aufwachsen, rauswachsen und immer wiederkehren in seine Heimatstadt München
“Ich war hier schon für so viele Konzerte in meiner Kindheit und Jugend und kann es manchmal immer noch nicht glauben hier zu stehen und selber zu spielen”. Man mag dem ein oder anderen Ennio Kritiker auf den ersten Blick vielleicht einen Vorwurf von Selbstdarstellung nicht absprechen: immer schnelle Brillen, weite kurze Hosen oder auch schillernde Westen und wofür er nichts kann- auch nicht gerade unattraktiv und deshalb auch Schwarm für Frauen oder Poser für Männer – wie es ein Bekannter von mir mal formuliert hat. Was Ennio Banausen aber nicht widerlegen können wird bei Konzerten in München- meiner und Ennios Heimatstadt- immer gleich anfangs klar: der Mann liebt seine Hood. Von persönlichen Anekdoten über Publikums-Interaktion, Rufe wie: „Gib mir ein 089“ (Vorwahl Münchens) und Hints in den Lyrics: Blitzgewitter Mitternacht sitzen noch am Wiener Platz.. – Ennio liebt und lebt am liebsten an der Isaaar (egal wo er grad ist die ist ihm lieeeeber.)
Ennios Ansage an die Musikbranche und seine sehr relatablen Gedanken im Club
Die mögliche Selbstdarstellung möchte ich gerne argumentieren, ist stets mit einem zwinkernden Auge aufgeführt, so wie auch die Beschreibung seiner selbst und anderer Charaktere der Musikbranche in seinem Song Haifischbecken – der den Lead track in seinem gleichnamigen neuen Album verkörpert. Die Zeilen “Wenn du glaubst du hast Gott nie gesehen” und “schütte Vodka in den kalten Kaffee, einer labert mich voll das vergess ich doch eh”, bilden das Grundgerüst der sich selbst auf die Schulter nehmenden, aber starken Performance. Ennios Stimme – falls man sie noch nie gehört haben sollte- passt in dieser Variation seiner Stimmlage perfekt du den Lyrics- rau, laut und eindringlich- und vertont diese bildlich-literarische Szene, in der “der ganze fucking Club brennt”.
Sein komplettes neues Album ist wie er auf Social Media verkündete – nirgendwo streambar. Grund dafür seien die unkonventionellen und teils ungewöhnlich langen Songs und der Wunsch, Musik für die Hörer (nahbar) zu machen, anstatt sie für Streaming- Anbieter und Algorithmen zu produzieren, so Ennio. Wer die Somgs trotzdem hören möchte, kanndafür einen NFC-Chip kaufen, den man dann ans Handy hält, um Lieder zu empfangen und herunterzuladen. Meine persönliche Meinung als Fan dazu: kein eindeutig schreiendes Muss, aber ein deutlich bestimmtes kann man machen! Diese Empfehlung gilt insbesondere dann, wenn man sich für Musikproduktion /den Entstehungsprozess von Tracks interessiert. Die Songs weichen von der gängigen Norm ab und umgehen Adjustierungen wie Kürzung oder Vereinfachung ehemals vielschichtigerer inhaltlicher Thematiken. Zudem fließen Einnahmen des Albums zur Versorgung von Schulen Deutschlands mit Instrumenten ein. Alles in einem -objektiv betrachtet: unkonventionelles Projekt – und point made.
Ja, ENNIO ist eine Show in sich – warum ich das aber ausschließlich positiv meine:
Ennio kann laut, aber auch verletzlich, wütend und nostalgisch. Er spielt dabei E Gitarre, Akustik, full on drums oder balladig Klavier. Seine Cooperations reichen von Kitschkrieg, die in der Konzerthalle ballern über süß-verträumte Liebesbrief-Lieder. So etwa Heimweh, ein Song, in dem Ennio das Feature zum sonnig-sanften Sänger Elias bildet. Mit Nina Chuba, ist der Song “Fühlst du gar nichts” eine Abrechnung mit allen Ex-Partnern und das in feuriger Tanz-Ballade und cooler Nonchalance zugleich. Fast immer auf der Setliste stehenNirvana und Freister Mensch der Welt. Das sind zwei Songs für alle, die sich im Studium oder wo sie sonst gerade in ihren Zwanzigern sind, immer mal wieder finden und verlieren –und vice versa. Diese metamorphose-artigen Veränderungsprozesse trifft Ennio melodisch und inhaltlich-bildlich schön. Ennio ist auf der Bühne ein Tanzmonster; auch Moshpits kamen nicht zu kurz. Besonders nahbar war der Moment des Künstlers: als er in der Mitte der Halle stand, vom Publikum umringt, und direkt mit den Fans interagierte. Momente mit Lichtern und schwelgendem Arm-in Arm-Tanzen folgten.
Meine persönlichen favorite tracks und ihre Live – Versionen
Für mich persönlich waren auf dem Konzert alle Momente, die es gab, mitzunehmen. Mit meinem Papa und meiner Schwester habe ich einen emotionalen Moment durch das Lied “Zwei Teile” erlebt, in dem Ennio darüber singt, dass “zu Hause immer Licht brennt” und auch “wenn er stinke wie ein Kamin- seine Fehler würden ihm immer verziehen”. Freister Mensch der Welt ist perfekt auf das Studentenleben anzuwenden, darin singt Ennio: “ich lerne nichts und verbrenn meine Zeit”. Das kann man literally nehmen oder aber auch mit der Message, sich “nicht mehr vor sich selbst zu verstecken”, seinen Träumen und Wunschbeziehungen voll nachzugehen. “Kippe”, sein all-time – Klassiker war mein romantischer Favorit – und mein Geheimtipp/underrated Song: Die Jungs, ein melancholisch-nostalgisches Liebeslied an seine Kumpels und daran, immer in Gedanken beisammen zu sein. Auch seine gecoverte Version von “Ohne Dich” (Münchner Freiheit), ist sicher nicht nur für Ennio ein rundes Home-Coming Momentum gewesen. Von Heimatliebe zu ehrlicher Musikliebe und Tanzfanatik: man merkt, dass Ennio immer wieder zeigen kann, wie man ein Publikum zum Singen, Tanzen und vor allem miteinander in Harmonie bringt. „Am Ende dieses Lieds“ mag man dann doch noch “verliebt” sein.