Turandot feiert Premiere auf der Veste Oberhaus
von CampusCrew Redaktion am 08.07.2026
100 Jahre nach ihrer Uraufführung feierte Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ vergangene Woche im Burghof der Veste Oberhaus Premiere. Das Passauer Ensemble brachte eine – glücklicherweise, kann man sagen – sehr bedrohliche Darstellung auf die Bühne, die sarkastische Elemente dennoch nicht außenvor ließ.
von Anna-Maria Mugler
Die Erzählung um die Eisprinzessin Turandot, die jeden Freier köpfen lässt, der ihre Rätsel nicht lösen kann, ist vor Jahrhunderten aus orientalischen Märchensammlungen entstanden und seither durch Puccinis gleichnamige Oper bekannt. Regisseur Jonathan Lunn gibt nun im Landestheater Niederbayern eine besondere Inszenierung zum Besten.
Schon zu Beginn des Stücks fällt das kräftige Rot auf, das sich kohärent durch das gesamte Bühnenbild zieht und nur von den satten senfgelben und türkisen Tönen Calafs und seiner Begleiter durchbrochen wird: Eine farbenreiche Interpretation, die Puccini sicher sehr geschmeichelt hätte.
Eingeleitet wird die Oper durch Pierre Chauvin-Brunet. Bei seinem Eröffnungstanz schwingt er mit finsterer Mimik so bedrohlich das Beil, dass man lieber nicht in der ersten Reihe sitzen möchte. Unterstützt wird dieses Ambiente durch den ausgezeichneten Opernchor des Landestheaters.
Bedrohlichkeit trifft Sarkasmus
Trotz ihres düsteren Charakters wurden viel Ironie und Witz mit in die Inszenierung der Oper eingebaut. Besonders bringt das Trio Ping, Pang und Pong (Kyung Chun Kim, William Diggle, Zhi Fang) das Publikum zum Lachen, allen voran William Diggle, der dieses Talent bereits in früheren Rollen mit unterschwelligen Sketchen zum Besten gegeben hat. Die Darbietung trotzt gekonnt den Grausamkeiten Turandots.
Auch das Tanzpaar aus Lilou Magali Robert und Pierre Chauvin-Brunet zeigt sich, so bedrohlich dessen Auftritt zu Beginn auch sein mag, wiederholt von einer humoristischen Seite. Sowohl als Roboter-Duo als auch als gebrechlicher Kaiser Altoum und dessen Krankenschwester ist die Darbietung der Beiden stets amüsant und lockert die finstere Handlung bittersüß auf.
Pointierte musikalische Untermalung und zauberhafte Stimmen
Nicht zuletzt sind neben der schauspielerischen Darbietung auch die gesanglichen Leistungen nicht zu vernachlässigen. Sängerin Yitian Luan, die Prinzessin Turandot zum Besten gibt, begeistert durchwegs, besonders in ihrer Arie „In questa reggia“. Die Sopranstimme Luans klirrt so metallisch und klar durch den Burghof, dass die Eiseskälte der Prinzessin hautnah zu spüren ist. Auch Natasha Sallès, Calafs treue Dienerin, singt ihre Rolle mit großem Schmerz, der das ganze Publikum berührt. Tenor James Lee als Calaf und Basssänger Youngkug Jinmachen das Ensemble aus großartigen Solistinnen und Solisten komplett.
Unterstützt wurde diese herausragende Leistung von ebenso herausragenden Klängen der Niederbayerischen Philharmonie, die wohl noch lange in den Köpfen der Zuschauer nachhallen werden. Alles in allem ein außergewöhnlicher Abend, der sich nicht rekonstruieren lässt und dennoch genauso wieder erlebt werden will.